Die Thomaskapelle

 

Quelle: Gabriele Heuß, Pfr

Quelle: Gabriele Heuß, Pfr

Quelle: Gabriele Heuß, Pfr

Quelle: Gabriele Heuß, Pfr

Bald wird von der Thomaskapelle in Blasiwald nichts mehr zu sehen sein.
 
Nach dem verheerenden und traurigen Brand im Dezember beschloss der Kirchengemeinderat, dass ein Wiederaufbau der Kapelle in vielerlei Hinsicht keinen Sinn mehr macht.
Viele Erinnerungen hängen an dieser kleinen, ehemaligen Hofkapelle. Im Mai 1995 wurde die frisch renovierte Kapelle mit einem großen Fest eingeweiht. Die Trachtenkapelle Blasiwald gestaltete die Einweihung gemeinsam mit Pfarrer Volker Schäfer musikalisch mit. Es fanden immer wieder regelmäßige Gottesdienste statt – wenn auch in größeren Abständen. Die Gemeinschaft war klein, aber es war eine Gemeinschaft.
Das Ehepaar Christel und Werner Weber erzählte, wie sehr sich die Kapelle durch die Renovierung verändert hatte: Die Einrichtung wurde komplett neugestaltet! Unter anderem wurden die Bänke durch Stühle ersetzt – was ihnen anfangs Kopfzerbrechen bereitete. Die Stühle stammten aus Norddeutschland und ihre Sitzflächen bestanden aus Reet/Schilf. Bereits nach dem ersten Winter schimmelten sie enorm, jedoch erfuhren sie später, dass dies vollkommen normal sei! So wurden sie ordentlich geschrubbt und in der Sonne getrocknet. Danach waren die Stühle ein für alle Mal schimmelfrei. Die Kuppeldecke, die Schränke im hinteren Bereich und der Boden wurden ebenfalls komplett erneuert.
Für Wanderer war die Kapelle stets geöffnet. Mit einem Handzug wurde die Muchenberger Glocke zum Schwingen gebracht. Frau Weber war ab 1989 Kirchengemeinderätin und übernahm die Betreuung der Kapelle vom Ehepaar Schnee. Am 1. März 1995 wurde die Altarbibel von Ernst Weißer, Dekan in Freiburg, gestiftet. In der Widmung steht: „Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss.“
Jene Bibel konnte von Christel Weber noch schnell aus der bereits rauchenden Kapelle gerettet werden. Sie wurde in die Petruskirche nach Schluchsee gebracht.
Viele Erinnerungen hängen an dieser Kapelle, deshalb wird eine Gedenkstelle eingerichtet werden. Doch sind es nicht nur Erinnerungen, wir sind dankbar, dass dieses kleine Gotteshaus Menschen zum Glauben und zum Leben ermutigt hat – so wie es die Inschrift über dem Eingang tat:
„Christus spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“
Die Thomaskapelle nicht wieder aufzubauen, war kein willkürlicher Beschluss des Kirchengemeinderats!
Ganz im Gegenteil!  Wer den Werdegang unserer Kirchengemeinde verfolgt hat, weiß um die Herausforderungen, die uns – wie viele andere Gemeinden – in eine finanzielle Schieflage gebracht haben. Als wir damals die Renovierung der Petruskirche in Schluchsee samt Anbau planten, dachten wir nicht an unliebsame Überraschungen, jedoch traten diese ein. Plötzlich war unsere Petruskirche sogar einsturzgefährdet. Das erschwerte die Renovierung sowohl zeitlich als auch finanziell erheblich. Wir feierten sogar Konfirmationen in der katholischen Kirche, da die Dachstützen unserer Kirche erneuert werden mussten. Zur Finanzierung starteten wir eine Fundraising-Aktion, das ehemalige Pfarrhaus wurde verkauft – aber nicht nur die Dachbalken, auch unser Haushalt war – und ist- stark angeschlagen. Wir haben ausführlich über den baulichen Zustand unserer drei Kirchengebäude informiert, auch im Zusammenhang mit Stellenkürzungen. Die Petruskirche wurde auf “gelb” gesetzt – mit der Angst im Nacken, dass sie auf “rot” gestellt wird. Das bedeutet: für etwaige bauliche Maßnahmen ist keine Unterstützung der Landeskirche zu erwarten.
Hinzu kamen Corona, Kirchenaustritte – alles Dinge, die unseren Haushalt direkt betreffen. Nicht zu vergessen: unsere Gemeinde ist recht klein- und es gibt Kirchensteuerzuweisungen aus dem großen Topf für jedes evangelische Mitglied.  Das bedeutet:     Kleine Gemeinden = viel weniger Einnahmen aus Karlsruhe. Über all das haben wir regelmäßig in Gemeindeversammlungen und Gemeindebriefen informiert!
Als ich meine Pfarrstelle antrat, wies ich die letzte Schuldentilgung für die Blasiwälder Thomaskapelle an. Die Kirchengemeinde hatte sich die Sanierung damals viel Geld kosten lassen – und sie hatte damit aus der Thomaskapelle ein wahres Schmuckstück gemacht.
Wenn wir nun hoffentlich den Zeitwert von der Versicherung erhalten, brauchen wir dieses Geld dringend für die Rücklagen der Petruskirche. Alles andere wäre fahrlässig, verantwortungslos – und es würde uns zu Recht vorgeworfen werden, wenn wir später Probleme haben, unsere Petruskirche instand zu halten. Sie ist zwar baulich jetzt in einem ordentlichen Zustand, aber auch sie muss gepflegt und erhalten werden.
Darum mussten wir entscheiden nach bestem Wissen und Gewissen - die Thomaskapelle wird nicht wieder aufgebaut.
 
Gabriele Heuß